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Ein- und Ausgangsbauwerk Tunnel

Über den Fortschritt eines Bauprojekts der ganz besonderen Art und Größe konnten sich zuletzt Maurer-Auszubildende, die gerade ihr letztes Ausbildungsjahr absolvieren, überzeugen. Auf Einladung der Baugewerken-Innung Ahaus hatten die angehenden Maurer die Möglichkeit sich die Stromtrassenbaustelle auf dem Gebiet der Gemeinde Legden aus nächster Nähe anzusehen. Diese einmalige Chance haben sich die Auszubildenden mit ihren Fachlehrern Tobias Marpert und Ingo Scheipers vom Berufskolleg für Technik Ahaus nicht entgehen lassen und sich auf den Weg zum Baustellenareal in Legden gemacht.

Dort erläuterte Ulrich Bogenstahl, Innungsobermeister der Baugewerken-Innung, den Auszubildenden in einem beeindruckenden Baustellenbüro zunächst die Gesamtmaßnahme, die das Bauunternehmen Bogenstahl im Auftrag des Netzbetreibers Amprion in einer Arbeitsgemeinschaft mit vier weiteren spezialisierten Unternehmen durchführt. Auf Legdener Gebiet werden 5 km Erdkabel verlegt: 3 km in offener Bauweise und 2 km im Tunnel. Der Tunnel wird in etwa 12 bis 15 m Tiefe gebaut und hat schon innen einen Durchmesser von 3,0 m. Damit stellt der gebohrte und im Vorschubverfahren realisierte Tunnel ein Bauwerk dar, das im Stromnetzausbau eine absolute Besonderheit ist.

Im Tunnel

Gemeinsam erfolgte vor Ort auch eine Einordnung der Maßnahme in den Kontext des allgemeinen Umweltschutzes und insbesondere auch in den Kontext des Klimaschutzes. Das Erdkabel leitet zukünftig nachhaltigen 380 kV-Höchstspannungsstrom aus Windparks von Dörpen in Niedersachsen bis nach Wesel in Nordrhein-Westfalen. Neben dem Klimaschutzaspekt ergeben sich weitere Vorteile: die alte oberirdische Leitung ist verschwunden und Flächen über den Erdkabeln können ungehindert landwirtschaftlich genutzt und im Bereich des Tunnels auch teilweise bebaut werden. „Jetzt ist die Stromtrasse fit für die Zukunft und sogar die Tiere und Pflanzen profitieren” so lautete eine von vielen Äußerungen der interessierten Auszubildenden.

Die eigentliche Baustellenbesichtigung startete an der Kabelübergabestation im Ortsteil Asbeck, wo die oberirdischen Kabel von den Freileitungsmasten in die Erde geführt werden, und endete an der Startgrube für den Einsatz des riesigen Tunnelbohrers in Legden. Dazwischen sicher die Highlights für die jungen Menschen: Das sich im Bau befindliche massive Stahlbetonbauwerk am Ein- bzw. Ausgang zum Tunnel, das mit modernen, effizienten Schalungssystemen erstellt, wird. Und die Durchquerung eines 1,4 km langen Tunnelabschnitts. Die Tatsache, dass der Tunnel sich weit unter der Erdoberfläche befindet, löste bei vielen Beteiligten deutliche Anspannung aus. Beim Durchlaufen des Tunnels wandelte sich die Anspannung aber schnell in eine lockere Atmosphäre. „Hier könnten wir ja wohnen. Viel zu schade, dass hier nur Kabel einziehen werden“ war ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar zur Qualität der Bauwerke tief in der Erde. Beeindruckt waren die Schüler auch von den zahlreichen digitalen Verfahren, wie etwa hochkomplexe Messsysteme auf Satellitenbasis, die bei den eigentlichen Bauarbeiten und bei der Qualitätssicherung zum Einsatz kommen.

Mit nach Hause nahm der sichtlich zufriedene Maurernachwuchs zahlreiche Tipps und Kniffe, die sie von den zuständigen Bauleitern und Polieren erfahren haben, und das gute Gefühl, dass das Handwerk zum Gelingen anspruchsvoller Ingenieurbauten offensichtlich unverzichtbar ist.